Ein Storyboard zeigt, wie Sie Ihr Lernziel mit Bildern und Ton erklären. Für jede Szene notieren Sie, was zu sehen und zu hören ist und wie lange sie dauert. So prüfen Sie vor dem Dreh, ob die Erklärung verständlich und vollständig ist und in die geplante Zeit passt.
Klären Sie zuerst: Was sollen die Zuschauer nach dem Video wissen oder tun können, und was wissen sie bereits? Daraus ergeben sich Inhalt, Sprache, Szenen und Länge. Anschließend arbeiten Sie die Bilder und Formulierungen aus.
Lernziel und Zielgruppe festlegen
Formulieren Sie das Lernziel als konkrete Handlung oder Erkenntnis. „Die Zuschauer verstehen die Fotografie“ ist zu allgemein. Präziser wäre: „Die Zuschauer können ein kleines Produkt so neben einem Fenster platzieren, dass das Licht weich auf das Motiv fällt.“ Mit einem solchen Ziel können Sie später prüfen, ob jede Szene dazu beiträgt.
Beschreiben Sie außerdem, für wen das Video gedacht ist. Anfänger brauchen Erklärungen für Begriffe, die Fachleute selbstverständlich verwenden. Ein fortgeschrittenes Publikum erwartet dagegen eher einen konkreten Kniff oder eine besondere Anwendung. Klären Sie auch den Anlass: Soll das Video ein neues Thema einführen, einen einzelnen Arbeitsschritt erklären oder eine häufige Frage beantworten?
Wählen Sie anschließend nur die Inhalte aus, die zum Lernziel beitragen. Wenn Sie für die Produktfotografie auch Kameraeinstellungen, Bildbearbeitung und Lichtformer erklären möchten, reicht ein kurzes Video vermutlich nicht für alles. Teilen Sie das Thema auf oder lassen Sie Details weg, die das Lernziel nicht unterstützen.
Szenen im Storyboard ordnen
Ordnen Sie die Szenen so, dass Sie zuerst den Anlass zeigen, dann die Erklärung und schließlich die Anwendung. Beginnen Sie zum Beispiel mit einem sichtbaren Problem: Eine glänzende Verpackung wirft harte Schatten. Zeigen Sie danach, wie ein Fenster als Lichtquelle dient, und führen Sie den Schritt an einem konkreten Produkt vor. Fassen Sie am Schluss die zentrale Erkenntnis kurz zusammen.
Geben Sie jeder Szene eine klare Aufgabe. Eine Szene sollte etwa ein Problem zeigen, einen Arbeitsschritt erklären oder ein Ergebnis vergleichen. Wenn mehrere unterschiedliche Aussagen gleichzeitig in einer Szene auftauchen, teilen Sie sie auf. Das erleichtert auch die spätere Abstimmung von Sprechertext und Bild.
Für den Anfang reicht ein einfaches Raster. Notieren Sie Szenennummer und ungefähre Dauer. Halten Sie außerdem Zweck, Bildidee sowie Sprechertext oder O-Ton fest. Ergänzen Sie Hinweise zu Geräuschen, Einblendungen und Übergängen, wenn sie für die Produktion wichtig sind. Eine grobe Zeichnung genügt, solange sie klar zeigt, was im Bild passiert.
Bild und Ton zusammen planen
Schreiben Sie für jede Szene konkret auf, was die Zuschauer sehen. „Fensterlicht zeigen“ ist noch ungenau. Beschreiben Sie lieber, wie eine Hand das Produkt näher ans Fenster rückt und wie sich der Schatten dadurch verändert. Die Bildidee sollte zeigen, was die Erklärung beschreibt.
Planen Sie Sprechertext und Bild gemeinsam. Wenn der Text einen Schritt beschreibt, sollte das Bild diesen Schritt zeigen oder gezielt ergänzen. Zentrale Begriffe lassen sich einblenden oder in einer einfachen Grafik hervorheben. Vermeiden Sie zusätzliche Beschriftungen oder Animationen, die nichts zur Erklärung beitragen. Musik, die nichts zur Erklärung beiträgt, sollten Sie ebenfalls vermeiden. Ein Bild, das nur dekorativ wirkt, kostet Aufmerksamkeit und Produktionszeit.
Entscheiden Sie früh, ob eine Stimme den Film durchgehend erklärt oder ob einzelne Aussagen als O-Ton vorkommen. Ein O-Ton ist eine aufgezeichnete Aussage einer Person, etwa ein kurzes Statement einer Fotografin. Notieren Sie dazu, wer spricht, welche Aussage die Szene vermitteln soll und welches Bild sie begleitet. Für einen kurzen Film genügt oft eine einzelne prägnante Aussage; sie sollte eine eigene Perspektive oder Erfahrung ergänzen, statt den Sprechertext zu wiederholen.
Laufzeit des Erklärvideos planen
Die Dauer richtet sich danach, wie lange die einzelnen Erklärungsschritte brauchen. Für kurze Erklärvideos gibt es keine feste Ziellänge. Leitfäden nennen unterschiedliche Bereiche, und eine Studie von Guo, Kim und Rubin aus dem Jahr 2014 fand in 6,9 Millionen Wiedergabesitzungen aus vier Onlinekursen einen Zusammenhang zwischen kürzeren Videos und höherem Wiedergabe-Engagement. Das belegt keine allgemeingültige optimale Länge und sagt für sich genommen nichts darüber aus, wie viel die Zuschauer lernen.
Schätzen Sie die Laufzeit zunächst anhand des Textes und prüfen Sie sie anschließend beim lauten Vorlesen. Als grobe Schreibhilfe nennt die Columbia University etwa 130 Wörter pro Minute. Der Wert dient nur zur Orientierung. Pausen, Bildwechsel und die Zeit, die Zuschauer zum Erfassen einer Grafik brauchen, verlängern das Video. Planen Sie diese Momente ausdrücklich ein, statt sie erst beim Schnitt zu bemerken.
Ein Beispielraster für ein Video über weiches Fensterlicht könnte so aussehen:
| Szene | Zweck | Bildidee | Ton |
|---|---|---|---|
| 1 | Problem eröffnen | Ein Produkt wirft einen harten Schatten auf den Tisch. | Kurzer Einstieg: „Warum wirkt das Licht hier so hart?“ |
| 2 | Lichtquelle erklären | Fenster, Produkt und Schatten werden in einer einfachen Skizze gezeigt. | Sprechertext erklärt die Position des Produkts. |
| 3 | Schritt vorführen | Eine Hand rückt das Produkt näher ans Fenster; der Schatten verändert sich. | Erklärung des sichtbaren Unterschieds, optional ein kurzer O-Ton. |
| 4 | Ergebnis festhalten | Vorher und nachher erscheinen nebeneinander. | Kurze Zusammenfassung des Arbeitsschritts. |
Nutzen Sie die Szenenfolge als Beispiel und passen Sie sie an Ihr Video an. Lesen Sie den Text mit den geplanten Pausen laut vor und stoppen Sie die Zeit. Wenn das Video nur in die geplante Zeit passt, weil Sie schneller sprechen, kürzen Sie den Text oder teilen Sie den Inhalt auf mehrere Videos auf.
Fehler beim Storyboard vermeiden
Ein häufiger Fehler ist ein zu großes Lernziel. Wer in einem kurzen Video mehrere Themen vollständig erklären möchte, überlädt Text und Bild. Begrenzen Sie den Inhalt auf eine zentrale Frage und ergänzen Sie weiteres Wissen in einem eigenen Film oder Material.
Auch ein fehlender Blick auf die Zielgruppe führt schnell zu Problemen. Fachbegriffe, Beispiele und Erklärungstiefe sollten zum Vorwissen der Zuschauer passen. Prüfen Sie beim Überarbeiten, ob ein Anfänger einen Begriff versteht und ob ein erfahrener Zuschauer tatsächlich neue oder nützliche Informationen erhält.
Planen Sie außerdem Bild und Ton nicht getrennt voneinander. Wenn das Bild nur den gesprochenen Text wiederholt oder eine ganz andere Information zeigt, verliert die Szene ihre klare Aufgabe. Lesen Sie jede Textzeile zusammen mit der Bildbeschreibung: Unterstützt das Bild die Aussage, macht es einen Schritt sichtbar oder lenkt es ab?
Prüfen Sie auch, ob Sie die Bildideen umsetzen können. Eine aufwendige Animation hilft wenig, wenn für die Produktion nur eine einfache Skizze möglich ist. Stimmen Sie Bildideen mit den verfügbaren Mitteln ab und kennzeichnen Sie, welche Grafiken, Gegenstände oder Aufnahmen tatsächlich gebraucht werden. So bleibt das Storyboard sowohl verständlich als auch realisierbar.



