Ein gutes Erklärvideo hilft einer klar definierten Zielgruppe, einen Inhalt zu verstehen oder eine Aufgabe auszuführen. Legen Sie zuerst fest, was die Zuschauerinnen und Zuschauer nach dem Ansehen wissen oder tun sollen. Bilder, Sprache, Länge und Technik sollten diese Botschaft verständlich machen.
Ein aufwendiger Look gleicht eine unklare Erklärung nicht aus. Ein verständliches Video braucht einen klaren Aufbau, passende Beispiele und einen gut verständlichen Ton.
Eine Botschaft festlegen
Bestimmen Sie vor dem Schreiben, für wen das Video gedacht ist und welche Frage es beantwortet. Überlegen Sie, was die Zielgruppe bereits weiß und welche Begriffe oder Abläufe ihr Schwierigkeiten bereiten könnten. Je genauer Sie das Ziel eingrenzen, desto leichter fällt die Auswahl der Inhalte.
Soll ein Video zum Beispiel eine neue Funktion erklären, konzentrieren Sie sich auf den konkreten Nutzen und die Schritte, die dafür nötig sind. Weitere Funktionen gehören nur hinein, wenn sie zum Verständnis beitragen. Formulieren Sie die Kernaussage in einem Satz. Wenn dieser Satz mehrere verschiedene Themen umfasst, braucht das Video wahrscheinlich eine engere Frage oder eine Aufteilung in mehrere Teile.
Planen Sie auch den Anfang und den Schluss bewusst. Nennen Sie früh, worum es geht und warum es für die Zielgruppe relevant ist. Am Ende können Sie die Kernaussage noch einmal knapp aufgreifen oder zeigen, was die Zuschauerinnen und Zuschauer damit tun können.
Länge und Tempo abstimmen
Ein Erklärvideo sollte nur so lang sein, wie es für eine verständliche Erklärung braucht. Eine feste Ideallänge lässt sich aus der Forschung nicht ableiten. In einer Auswertung von 6,9 Millionen Wiedergabesitzungen aus vier Onlinekursen wurden kürzere Videos häufiger bis zum Ende angesehen als längere. Die Auswertung erfasste jedoch, wie lange die Videos angesehen wurden, nicht, was die Teilnehmenden gelernt hatten.
Auch andere Ergebnisse sprechen gegen eine starre Regel. Eine Studie fand keinen bedeutsamen Unterschied zwischen einem 14-minütigen Video und derselben Erklärung in drei kürzeren Abschnitten. Eine systematische Übersicht zu Lernvideos spricht ebenfalls für eine klare Gliederung, bestätigt aber nicht alle verbreiteten Gestaltungsregeln gleichermaßen.
Teilen Sie das Thema dort, wo ein neuer Gedanke, Arbeitsschritt oder eine neue Frage beginnt. Wenn das Video mehrere eigenständige Themen behandelt, teilen Sie es in Kapitel oder einzelne Beiträge auf. Sprechen Sie nicht schneller, nur um die Laufzeit zu verkürzen. Ein ruhiges Tempo gibt dem Publikum Zeit, Bild und Erklärung zusammenzuführen.
Bilder zum Erklären nutzen
Jedes Bild sollte einen Begriff, einen Ablauf oder einen Zusammenhang verständlicher machen. Eine Animation eignet sich etwa, wenn sie eine Bewegung oder Veränderung sichtbar macht. Bei einer Produktfunktion ist eine direkte Bildschirmaufnahme oft hilfreicher als eine abstrakte Illustration. Für einen räumlichen Zusammenhang kann ein einfaches Diagramm genügen.
Stimmen Sie Bild und gesprochenen Text aufeinander ab. Zeigen Sie einen entscheidenden Schritt genau dann, wenn Sie ihn erklären, und lenken Sie mit Markierungen oder schrittweisen Einblendungen auf das Wesentliche. Komplexe Hintergründe und dekorative Animationen ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Das gilt auch für Bilder ohne klaren Bezug zur Botschaft; sie unterstützen die Erklärung nicht.
Welcher Stil passt, hängt vom Inhalt und von der Zielgruppe ab. Whiteboard-Zeichnungen, reale Aufnahmen, Animationen und Präsentationen können jeweils sinnvoll sein. Wählen Sie das Format danach aus, was sich damit am klarsten zeigen lässt.
Verständlich sprechen und schreiben
Verwenden Sie die Wörter, die Ihre Zielgruppe im Alltag nutzt, und erklären Sie Fachbegriffe, wenn Sie nicht davon ausgehen können, dass sie bekannt sind. Ein Beispiel aus dem vertrauten Umfeld hilft, eine neue Idee einzuordnen. Eine Analogie ist dann nützlich, wenn sie den Zusammenhang trifft. Wenn sie wichtige Unterschiede verdeckt, führt sie eher in die Irre.
Schreiben Sie den gesprochenen Text in vollständigen, gut verständlichen Sätzen. Lesen Sie ihn laut vor: Stolpern Sie über eine Formulierung oder klingt sie auf dem Papier klarer als beim Sprechen, überarbeiten Sie sie. Streichen Sie Wiederholungen und Nebeninformationen, die von der Kernfrage wegführen.
Texteinblendungen sollten Begriffe, Zahlen oder Schritte gezielt hervorheben. Untertitel helfen Menschen, die den Ton nicht hören können oder lieber mitlesen. Sie sind daher nicht mit rein dekorativem Text gleichzusetzen. Achten Sie darauf, dass Untertitel zum gesprochenen Text passen und wichtige Bildinhalte nicht verdecken.
Ton, Bild und Untertitel prüfen
Ein verständlicher Ton ist wichtiger als aufwendige Effekte. Nehmen Sie Sprache möglichst ohne störende Hintergrundgeräusche auf und prüfen Sie, ob einzelne Wörter klar zu verstehen sind. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Text und wichtige Bildelemente auch auf einem kleineren Bildschirm erkennbar bleiben.
Achten Sie beim Schnitt darauf, dass das Gezeigte zur Erklärung passt. Wenn eine Stimme einen Schritt beschreibt, sollte das Bild diesen Schritt zeigen; der nächste Schritt gehört erst danach ins Bild. Untertitel müssen synchron eingeblendet werden und lange genug stehen bleiben, damit man sie lesen kann. Ein Transkript ist eine Textfassung, die sich auch ohne das Video nutzen lässt.
Technischer Aufwand allein macht ein Erklärvideo nicht wirksamer. Eine Feldstudie im Hochschulbereich fand für eine hochwertiger produzierte Fassung keine besseren Ergebnisse bei den untersuchten Lern- und Engagementwerten. Das spricht gegen teure Gestaltung als Selbstzweck. Es ändert nichts daran, dass Ton, Bild und Untertitel verständlich und zuverlässig funktionieren müssen.
Das Video auf Verständnis testen
Prüfen Sie eine erste, noch nicht fertig geschnittene Fassung mit Personen aus der Zielgruppe. Bitten Sie sie nach dem Ansehen, die Kernaussage in eigenen Worten zu erklären oder den gezeigten Schritt auszuführen. Wenn sie an derselben Stelle stocken oder den Zweck des Videos unterschiedlich beschreiben, überarbeiten Sie genau diesen Abschnitt.
Aufrufe und Likes zeigen, wie häufig ein Video angeklickt oder positiv bewertet wurde, belegen für sich genommen aber nicht, dass die Erklärung verstanden wurde. Eine Untersuchung naturwissenschaftlicher Erklärvideos fand keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen solchen Zahlen und der Erklärqualität. Rückmeldungen zum Inhalt und eine konkrete Verständnisprüfung liefern deshalb bessere Hinweise auf die Verständlichkeit.


