Zur schamanischen Kunst gehören Bilder, Masken, Kleidung, Musikinstrumente und Aufführungen, die in bestimmten Kulturen bei Ritualen verwendet werden. Sie können Beziehungen zu Geistern, Ahnen oder Tieren ausdrücken und Rituale unterstützen. Was diese Kunst bedeutet und wie sie verwendet wird, hängt von der jeweiligen Gemeinschaft und Zeit ab. Einen weltweit einheitlichen Stil gibt es nicht.
Bei Ritualen gehören oft Trommeln, Gesang, Tanz und besondere Gegenstände dazu. Eine schamanisch tätige Person vermittelt dabei, führt Heilhandlungen aus oder bezieht die Gemeinschaft ein. Was als Heilung gilt, richtet sich nach dem jeweiligen Weltbild und ist nicht automatisch dasselbe wie eine medizinische Behandlung.
Schamanische Kunst im Ritual
Ein Ritual besteht oft aus mehreren Teilen. Klang, Bewegung, Kleidung und Erzählung gestalten gemeinsam seinen Ablauf. Eine Trommel begleitet zum Beispiel Gesang und Tanz. Ein Kostüm oder Instrument zeigt, welche Rolle die schamanisch tätige Person einnimmt. Eine Tonaufnahme oder ein Bild hält nur einen Teil des Rituals fest und lässt wichtige Zusammenhänge offen.
Eine historische Beschreibung des Sakha-Rituals Kamlanie berichtet, dass der Schamane trommelt und singt, um mit Geistern zu sprechen und schädliche Geister abzuwehren. Das Weltbild in dieser Beschreibung umfasst eine Ober-, Mittel- und Unterwelt. Der Schamane vermittelt zwischen ihnen. Heilung bedeutet dort, einen fehlenden Seelenanteil zurückzugewinnen. Die Darstellung stützt sich auf Berichte aus dem späten 19. Jahrhundert und beschreibt eine bestimmte Überlieferung. Sie gilt weder für alle Sakha noch lässt sie sich unverändert auf heutige Praktiken übertragen.
Gesang, Trommeln und Tanz
Bei manchen Ritualen erzählen Gesang und Trommeln eine Geschichte, die Tanz und Bewegung darstellen. Musik strukturiert den Ablauf und bindet die Teilnehmenden ein. Die Ethnologin Marilyn Walker beschreibt, wie Musik, Erzählung und Bewegung mit Heiltraditionen in Sibirien verbunden sind. Sie erörtert auch mögliche körperliche und psychische Wirkungen dieser Praktiken.
Ein rituelles Instrument hat nicht nur eine bestimmte Klangform. Seine Bedeutung hängt davon ab, wer es spielt, wann es erklingt und welche Handlung es begleitet. Ohne diesen Zusammenhang lässt sich seine spirituelle Funktion kaum an seiner Form erkennen.
Yupik-Masken im Ritual
Eine um etwa 1880 datierte Yupik-Maske in der Sammlung des Detroit Institute of Arts zeigt kleine Darstellungen von Robbenflossen und Kajakpaddeln. Das Museum verbindet diese Motive mit der Fähigkeit des Schamanen, in eine Geisterwelt unter dem Meer zu reisen. In dem beschriebenen Zusammenhang gehörten Maskenrituale zu gemeinschaftlichen Festen, bei denen den Geistern der Tierwelt gedankt wurde.
Im Ritual bekommt die Maske eine bestimmte Rolle. Ihre Form verweist auf Tiere und Tätigkeiten, die für die Gemeinschaft wichtig sind. Das Beispiel lässt sich nicht auf alle Yupik-Masken übertragen. Für die Deutung zählen das einzelne Objekt, seine Herkunft und der dokumentierte Zusammenhang.
Schamanische Bilder und Gegenstände in Korea
Auch in Korea verwendete man Bilder und Gegenstände bei schamanischen Ritualen. Ein Lehrmaterial des Metropolitan Museum of Art nennt bronzene Rasseln und Schmuck mit Formen, die an Geweihe erinnern. Später kamen Bilder und Skulpturen von Volksgottheiten bei kut-Ritualen zum Einsatz. Motive aus schamanischen Vorstellungen fanden sich aber auch auf Gegenständen, die nicht für Rituale gedacht waren.
Ein Motiv allein verrät nicht, wofür ein Objekt verwendet wurde. Ein Bild einer Gottheit kann Teil eines Rituals sein, aber auch einem anderen Zweck dienen. Bei einem Museumsobjekt sollte man deshalb das sichtbare Motiv vom belegten Gebrauch unterscheiden. Material, Datierung und Herkunft geben Hinweise, zeigen aber nicht immer vollständig, welche Bedeutung die Gemeinschaft dem Gegenstand gab.
Felsbilder und Deutungen
Forschende verbinden bestimmte Felsbilder der San im südlichen Afrika mit religiösen Vorstellungen sowie mit Heil- und Trancetänzen. Berichte über solche Tänze beschreiben rhythmischen Gesang, Klatschen und anhaltende Bewegung. Manche Deutungen beziehen auch Tierbilder und die Felsoberfläche ein. Die Begriffe der Forschung entsprechen nicht automatisch der eigenen Deutung der jeweiligen Gemeinschaft.
Forschende sind sich uneinig darüber, wie Tanz, Trance, Heilung und Felsmalerei zusammenhängen. Lewis-Williams und Pearce heben die Bedeutung des Tanzes für das Verständnis bestimmter San-Bilder hervor. Anne Solomon widerspricht ihrer Deutung historischer Berichte. Sie warnt davor, verschiedene San-Gruppen und Zeiträume zusammenzufassen. Diese Deutung ist umstritten und erklärt nicht allgemein die San-Kunst.
Auch bei prähistorischen Höhlenbildern in Europa sollte man vorsichtig sein. Manche Forschende deuten sie als Zeugnisse schamanischer Trance. Rituale aus später dokumentierten Kulturen können Anhaltspunkte für Fragen zu den archäologischen Bildern liefern. Sie beweisen jedoch weder, wer die Bilder geschaffen hat, noch was sie bedeuteten. Ähnlichkeiten reichen für eine sichere Deutung nicht aus.
Rituale, Kunst und Heilung
In den beschriebenen Ritualen bedeutet Heilung, die Beziehung zwischen einer erkrankten Person, der Gemeinschaft und einer Geisterwelt wiederherzustellen. Im Sakha-Beispiel soll ein Seelenanteil zurückgewonnen werden. Beim beschriebenen Yupik-Ritual verweist die Maske auf eine spirituelle Reise und die Beziehung zu den Geistern der Tierwelt. Diese Vorstellungen zeigen, was Heilung für die Beteiligten bedeutet. Sie belegen keine allgemeine medizinische Wirkung.
Musik, Gesang und Tanz beeinflussen körperliche und psychische Erfahrungen. Forschende untersuchen, wie diese Wirkungen entstehen. Das belegt jedoch nicht, dass schamanische Kunst oder Rituale eine bestimmte Krankheit behandeln. Wer gesundheitliche Beschwerden hat, sollte kulturelle oder spirituelle Praktiken nicht anstelle medizinischer Versorgung nutzen.


